Biographie

Thøger Jensen ist einer der witzigsten und charmantesten Erzähler Dänemarks. Er wurde im Jahre 1960 in Næsbjerg, im äußersten Westen Jütlands geboren und wuchs aber in Nordjütland auf.

Als Erwachsener hat er einige Zeit auf den Hebriden gewohnt. Aber jetzt ist er wieder in Jütland zurück, wo er sich in Aarhus, an der Ostküste nieder­ge­lassen hat. 1994 schloss er seine Ausbildung an der Schriftsteller-Hochschule in Kopenhagen ab.

1998 debütierte er mit I vores familie kan vi ikke lide ubåde (In unserer Familie mögen wir keine U-Boote). Sein siebter Roman Zhōng wurde im März 2016 herausgegeben. Seine Bücher werden in Dänemark von den Kritikern hochgelobt.

Auf Deutsch wurde im Jahr 2008 der Roman Serpentine von der Edition Rugerup herausgegeben, und im Herbst Jahr 2018 erwartet Litteraturverlag Droschl der Roman Ludwig zu herausgeben.

 

Serpentine

”Ein Buch, das man nicht verpassen sollte, nicht verpassen darf.”

– Leon Rinaldetti, Radio 100,7 , Luxembourg

 

”Tiefsinn und sanfte Ironie verbinden sich bei Jensen zu lyrischer Prosa mit Leseassoziationen, wie man sie bei einer lockeren Folge gelungener Fotografien haben würde … Das kann nur Liebe sein.”

– art, FAZ 30.04.2009

Leseprobe

Der Hotelgärtner William und der Oberkellner Alex, die auf der Isle of Iona in einem Hotel arbeiten, wollen am Wochenende auf der Nachbarinsel Mull den höchsten Berg der Hebriden besteigen. Unterwegs wird die kleine Expedition von einer Herde schottischer Highland Cattle zum Stillstand gebracht. Eine Touristin gestellt sich zu den Männern, und die Gestrandeten warten auf freie Fahrt, während die Tage mit Gesprächen und Kurzausflügen bereichert vergehen.

Høfde Q

Drei stücken aus der Prosasamlung Høfde Q

 

Rosen

Es gibt Rosen, deren Duft so intensiv ist, dass er fast künstlich wirkt. Karen Blixen, zum Beispiel. Die Stiele zittern unter den erstaunlich großen Blüten, die eine fast durchsichtige weiße Farbe haben. Unbesudelt weiß, wie es irgendwo in der Fach­literatur heißt, aber später breitet sich vom Inneren der Kron­blätter eine schwache, violette Tönung aus, von der die Blüten so sehr belastet werden, dass man sie aufbinden sollte. Ich atme ein und muss gleich an Seife, Deo und stickige Parfüm­wolken denken, die die von Jahr zu Jahr immer jünger­en jungen Mädchen umgeben, wenn sie Freitagabend in Pan­drup den Bus besteigen. Ungestüm und übermütig, modern und mobil, fast durchsichtige wilde Rosen, unterwegs in die Stadt, von weiß bis violett.

 

Jazz

Ich lese gern in dem Buch, das auf deiner linken Schulter tätowiert ist. Besonders das Kapitel darüber, wie du einst in Paris Dexter Gordon getroffen hast. Es war in der Pau­se, er trat von der Bühne herunter und kannte jemanden, der an deinem Tisch saß. Währenddessen floss die Seine langsam durch die Nacht und war dunkel auf die gleiche schmierige und satte Art, wie die Noten, die der alte Kämp­fer im zweiten Teil die Stufen des Jazzclubs herauf und bis hierhin geblasen hat.

 

Wie bekanntlich die Federn gewisser Vögel

Während die Kundin vor ihm in der Schlange bedient wird, sie fragt nach dem haltbarsten Lippenstift, gleitet eine weitere Verkäuferin von rechts in sein Blickfeld, schräg von hinten, von der falschen Seite, also von seiner Seite des Ladentisches. Entschuldigung, sagt sie, darf ich bitte mal an den Eyeliner­ständer. Sie hat an ihrem eigenen Augenbereich gearbeitet. Von ihren leicht blinzelnden Lidern schimmert es grünlich und metallisch wie bekanntlich die Federn gewisser Vögel, beispielsweise Stockenten und Elstern. Er bemerkt ihre etwas träge Art, sich zu bewegen, leicht angespannt und beinah schwebend, vielleicht ein Anflug von Unsicherheit oder hat sie etwa Rückenprobleme? Der Schwerkraft zu trotzen, ihre ganz eigene und wie sich jetzt herausstellt unvergessliche Art, sie zu überwinden. Der Star, fällt ihm ein, der Star hat im Frühling auch solche Federn.

 

Übersetzung: Jacob Jonia – jacobjonia@mail.dk